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Synagoge Penzlin

Region: Mecklenburgische Seenplatte
Adresse: Penzlin, Hirtenstraße 15-17 (Weberstraße)
Erhaltung: abgebrannt und mit neuem Gebäude überbaut

Geschichte der Synagoge

Möglicherweise gab es bereits in der ersten Phase der jüdischen Besiedlung Mecklenburgs im 13. Jahrhundert eine Synagoge in der Stadt Penzlin, wenngleich direkte Nachweise fehlen. Der erste wirkliche Hinweis auf eine gottesdienstliche Betreuung von Juden in Penzlin stammen jedenfalls aus dem Jahr 1752, als der erste Judenlandtag in Malchin stattfand. Wie der Güstrower Rabbiner Dr. Leopold Donath in seinem Werk „Geschichte der Juden in Mecklenburg von den ältesten Zeiten (1266) bis auf die Gegenwart (1874)“ berichtet, nahm an diesem Landtag ein Rabbiner aus Penzlin teil. Es müssen daher in Penzlin in dieser Zeit entsprechende Beträume gegeben haben.

Die in den Quellen überlieferte Penzliner Synagoge bestand allerdings erst seit 1794. Der ehemalige Gebäudekomplex in der heutigen Hirtenstraße 15-17 (früher Weberstraße) bestand ursprünglich einem Wohnhaus und einem im Hof befindlichen Hintergebäude. Letzteres war ein Fachwerkbau und diente als das eigentliche Gotteshaus und war am 4. Juli 1791 eingeweiht worden. Über die spätere bauhistorische Geschichte des ehemaligen Gebäudes ist nur wenig überliefert. So wurde die Synagoge 1838 renoviert.

Ab 1912 wurde die Synagoge aufgrund der mittlerweile massiv gesunkenen Mitgliederzahlen nur noch vereinzelt genutzt. Nachdem notwendige Erhaltungsmaßnamen aufgrund der angespannten finanziellen Situation der Gemeinde nicht mehr ausreichend druchgeführt werden konnte, befand diese sich 1913 in einem baulich schlechten Zustand. Da die Gemeinde nun überschuldet und kein Geld für die Reparaturen mehr aufbringen konnte, sollte das Gebäude am 20. Mai 1913 zwangsversteigert werden. Ein Schwiegersohn der Penzliner Familie Jacob übernahm jedoch die darauf lastenden Verbindlichkeiten und verhinderte zunächst den Verkauf.

Nach der endgültigen Auflösung der jüdischen Gemeinde von Penzlin im Jahr 1917 erwarb die Penzliner Jüdin Herta Pinkus das Synagogengrundstück, veräußerte es aber noch vor 1924 an den bischöflichen Stuhl von Osnabrück weiter, die es zu einer katholischen Kirche umbauen ließ. 1925 fand in der ehemaligen Synagoge der erste katholische Gottesdienst statt. Auch in den Folgejahren wurde das Gebäude von der Katholischen Kirche genutzt, bis es am 30. April 1945 mit einigen anderen Gebäuden durch Kriegseinwirkung niederbrannte. Das Grundstück ist heute mit einem neuen Gebäude überbaut.

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(Gramenz, Jürgen / Ulmer, Sylvia - 27.09.2015)
Quellen:

  • Donath, Leopold: Geschichte der Juden in Mecklenburg von den ältesten Zeiten (1266) bis auf die Gegenwart (1874), Verlag Oskar Leiner, Leipzig 1874
  • Heuer, Siegfried: Chronik der Stadt Penzlin, Eine Dokumentation, Von der Slawenzeit bis zur Gründung des Amtes Penzliner Land, Stadt Penzlin, Penzlin 2001
  • Oelke, Karl-Heinz: Auf den Spuren jüdischer Vergangenheit im Müritzkreis, Landratsamt Müritz und die Städte Waren (Müritz), Röbel/Müritz, Malchow und Prenzlin 1998