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Georg Hamburger

(* 17. Mai 1881 Bosatz, Kr. Ratibor — † 17. November 1933 Schwerin)

Der spätere Prokurist und Fabrikdirektor Georg Hamburger stammte ursprünglich aus Bosatz im Kreis Ratibor in der ehemaligen Provinz Schlesien und wurde dort am 17. Mai 1881 als Kind jüdischer Eltern geboren.

Er kam zusammen mit seiner zukünftigen nichtjüdischen Ehefrau Marie-Luise am 5. Oktober 1910 als Geschäftsführer aus Danzig zunächst nach Brüel. Hier übernahm er sehr wahrscheinlich eine führende Position in der Brüeler Firma Norddeutsche Asphalt-, Dachpappen- und Teerprodukte-Fabrik F. Schmidt & Sohn. Die drei Kinder der Familie wurden in Brüel geboren. Die Familie des Georg Hamburger zählte vermutlich sowohl zur letzten jüdischen Familie in Brüel, die sich dort ansiedelte, als auch zur letzten jüdischen Familie, die von dort wegzog, denn sie meldeten sich 1919 nach Schwerin ab.

Grund für den Umzug war die Übernahme einer neue Arbeitsstelle in dem Schweriner Zweigbetrieb der Vereinigten Dachpappen-Fabriken AG (VEDAG), sehr wahrscheinlich als Geschäftsführer. Spätestens in den 1930er Jahren war er nachweislich für diese Firma als Fabrikdirektor tätig.

Georg Hamburger verstarb bereits am 17. November 1933 in Schwerin. Nach der Aussage einer seiner Töchter im Jahr 1994 wurde er am 16. November 1933 durch die Gestapo verhört, was ihn derart mitgenommen hatte, dass er daraufhin am nächsten Tag an einem Herzschlag in seiner Wohnung verstarb.

Er wurde auf einem christlichen Friedhof bestattet. Weil der Ehemann einer in der direkten Nachbarschaft Bestatteten sich durch die bloße Tatsache, dass er ein Jude war, belästigt fühlte, musste seine Witwe schließlich einer Verlegung der Urne auf dem Friedhof zustimmen. Sie selbst erlebte 1942 den Abtransport der letzten Juden aus Schwerin mit und verarbeitete die Erlebnisse nach dem Krieg in einem Bericht.

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(Gramenz, Jürgen / Ulmer, Sylvia - 20.09.2015)
Quellen:

  • Gramenz, Jürgen / Ulmer, Sylvia: Die Juden von Brüel: Rekonstruktion einer Gemeinde, Cardamina-Verlag, Plaidt 2013
  • Hamburger, Marieluise: Das Ende der jüdischen Gemeinde in Schwerin, Mütze-Specht, Fanny (Hrsg.): Widerstand in Mecklenburg gegen das Naziregime, Schwerin 1948
  • Projekt Juden in Mecklenburg: Gesamtstammbaum der Mecklenburger Juden (GEDCOM)