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Kommissionrat Siegmund (Schmul) Bernhard

(* 19. März 1846 Dargun — † 19. Mai 1934 Rostock)

Siegmund (Schmul) Bernhard wurde am 19. März 1846 in Dargun als Sohn des Darguner Kaufmanns Behr Isaac Bernhard und der Therese Reitze geb. Behrens, seiner zweiten Ehefrau, geboren. Er hatte eine Halbschwester sowie eine weitere Schwester und einen Bruder. Seine Schulbildung erhielt er in Dargun. Spätestens 1867 war er als Kaufmannslehrling im Manufakturwarengeschäft des Heymann Heinssen in Goldberg tätig und lebte in dieser Zeit auch dort. Nach seiner Rückkehr in seine Heimatstadt stieg er als Mitinhaber in die von seinem Vater am 17. Oktober 1838 in Dargun gegründete Bürsten- und Bürstenhölzerfabrik B. I. Bernhard (nach alter Schreibweise „B. J. Bernhard“) mit ein. Der ursprüngliche Name der Fabrik wurde auch später stets beibehalten. Neben seinem Vater war auch Bernhard zeitweise Vorsteher der jüdischen Gemeinde von Dargun.

Am 16. Juni 1880 heiratete er in Waren die neun Jahre jüngere Helene Löwenberg, Tochter des alteingesessenen jüdischen Kaufmanns Seelig Löwenberg aus Waren. Ihre drei Söhne kamen alle in Dargun zur Welt: Paul 1883, Otto 1884 und Arnold 1886.

Nach dem Tod seines Vaters im Jahre 1888 übernahm Bernhard als Alleineigentümer die Bürstenfabrik. Schon 1889 fungierte er zunächst als Ersatzmann für den gewählten Israelitischen Oberrat, später wurde er auch dessen Mitglied. Er beschloss später, seinen Firmen- und den Wohnsitz seiner Familie ins wirtschaftlich prosperierende Rostock zu verlegen, wo sie sich schließlich im Mai 1890 ansiedelten. Sowohl privat als auch geschäftlich war die Rostocker Schnickmannstraße 9 ihr Lebensmittelpunkt. Hier wurde die eigentliche Bürstenfabrik betrieben. Eine weitere Fabrik für Bürstenhölzer befand sich später am Warnowufer. Im Jahre 1900 wurde Bernhard zum Vorsteher der Israelitischen Gemeinde von Rostock gewählt und leitete ihre Geschicke bis 1923, als Max Samuel dieses Amt nach ihm übernahm.

Die Geschäfte der Bürstenfabrik liefen gut. So war er zur 1902 erfolgten Eröffnung der Synagoge von Rostock in der Lage, diverse Einrichtungsgegenstände aus seinem Privatvermögen zu stiften. Wohl in den 1920er Jahren gab Bernhard die Firmenführung an seinen Sohn Arnold weiter.

Siegmund Bernhard verstarb am 13. Mai 1934 in Rostock und wurde auf dem jüdischen Friedhof Rostock-Lindenpark bestattet. Sein Grabstein ist dort heute noch vorhanden. Seine Ehefrau Helene überlebte ihn, wurde aber während der Zeit des Nationalsozialismus nach Theresienstadt deportiert und verhungerte dort am 6. Juni 1944. Auch der gemeinsame Sohn Arnold Bernhard wurde ein Opfer des nationalsozialistischen Rassenwahns. Sohn Paul gelang es hingegen, rechtzeitig nach Chile zu flüchten.

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(Gramenz, Jürgen / Ulmer, Sylvia - 15.05.2016)
Quellen:

  • Adressbuch Rostock 1910
  • Landeshauptarchiv Schwerin: Rep. 5.12-3/20, Volkszählung in Mecklenburg-Schwerin vom 3. Dezember 1867
  • Landeshauptarchiv Schwerin: Rep. 5.12-3/20, Volkszählung in Mecklenburg-Schwerin vom 10. September 1819
  • Projekt Juden in Mecklenburg: Gesamtstammbaum der Mecklenburger Juden (GEDCOM)
  • Schröder, Frank: 100 jüdische Persönlichkeiten aus Mecklenburg-Vorpommern: ein Begleiter zur Ausstellung des Max-Samuel-Hauses, 22. Mai bis 22. November 2003. Schriften aus dem Max-Samuel-Haus 4, Stiftung Begegnungsstätte für jüdische Geschichte und Kultur in Rostock Max-Samuel-Haus, Rostock 2003
  • familysearch.org: LDS-Film-Nr. 1184468 Items 4-5