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Jüdischer Friedhof Boizenburg (Elbe)

Region: Ludwigslust-Parchim
Adresse: Boizenburg (Elbe), Lauenburger Postweg
Erhaltung: Geschlossener Friedhof mit Grabsteinbestand

Geschichte des Friedhofs

Seit mindestens 1768 besaß die Gemeinde einen eigenen Begräbnisplatz „an den Turner Eichen“, direkt am Rand der Boizenburger Altstadt am Lauenburger Postweg gelegen. Dieser wurde durchgängig bis Juni 1936 genutzt, als hier die letzte Bestattung der Frida Katz stattfand. 1938 wurde er sowohl den politischen Umständen als auch der Tatsache geschuldet, dass es keine jüdischen Einwohner in der Stadt mehr gab, geschlossen. Die Zeit des Nationalsozialismus überstand er unbeschadet, aber im verwilderten Zustand.

Wie in einigen anderen Mecklenburger Städten auch wurde 1948 der Boizenburger Friedhof wieder hergerichtet. 1964 wurde seitens der Stadt versucht, den Friedhof einzuebnen. Die jüdische Landesgemeinde konnte den Versuch jedoch durch eine Klage abwehren. In der Folgezeit kam es wiederholt zu Schändungen des Friedhofes, so im Mai 1966. Mehrere Grabsteine und Teile der Friedhofsmauer wurden dabei beschädigt. Die Jüdische Landesgemeinde ersetzte danach die Vorderfront durch einen Eisenzaun und die Hinterfront durch Maschendraht. 1989, im Oktober 1991 und im April 1992 kam es zu weiteren Schändungen. Als im November 1998 der jüdische Friedhof erneut geschändet worden war, brachten Schüler und Lehrer Boizenburgs ihn danach im Rahmen eines Projekttages wieder in Ordnung, wobei gleichzeitig auch die Grabsteine erfasst und dokumentiert wurden. Im Jahr 2002 wurde der Friedhof abermals Ziel von Verwüstungen.

Heute hat der Friedhof eine Größe von etwa 680 qm und ist Teil des Stadtparks. Es sind noch ca. 40 Grabsteine und ein Gedenkstein vorhanden.

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(Gramenz, Jürgen / Ulmer, Sylvia - 26.09.2015)
Quellen:

  • https://de.wikipedia.org/wiki/Jüdischer_Friedhof_(Boizenburg/Elbe)
  • Arlt, Klaus / Beyer, Constantin / Ehlers, Ingrid / Etzold, Alfred / Fahning, Kerstin Antje: Zeugnisse jüdischer Kultur. Erinnerungsstätten in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Berlin, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen, Wichern-Verlag, Berlin 1992
  • Fotodokumentation jüdischer Friedhöfe in Mecklenburg, Pastor a. D. Gerhard Voß, Güstrow
  • Vormann, Heidemarie Gertrud: Bauhistorische Studien zu den Synagogen in Mecklenburg, Dissertation an der Technischen Universität Braunschweig, Braunschweig 2010