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Jüdischer Friedhof Penzlin

Region: Mecklenburgische Seenplatte
Adresse: Penzlin, Ziegelkamp 12
Erhaltung: Geschlossener Friedhof mit Grabbestand

Geschichte des Friedhofs

Während der ersten Phase der jüdischen Besiedlung Mecklenburgs könnte es bereits im 13. Jahrhundert einen jüdischen Begräbnisplatz in der Stadt Penzlin gegeben haben. Nachweise dafür gibt es jedoch nicht. Der heute bekannte und noch existierende jüdische Friedhof, der sich in der Penzliner Vorstadt in der Straße Ziegelkamp am südwestlichen Stadtrand in einer Kleingartenkolonie befindet, dürfte um 1750 angelegt worden sein und hat eine Größe von etwa 700 qm .

Vom 18. bis zum 20. Jahrhundert wurden hier Mitglieder der Familien Aronheim, Bernhard, Götz, Jacob, Levin, Liebmann, Moses und Salomon beerdigt, wobei die meisten Bestattungen gegen Ende des 19. Jahrhunderts stattfanden. Unter den hier Bestatteten befindet sich auch der 1877 verstorbene Teilnehmer der Napoleonischen Befreiungskriege von 1813 bis 1815 Jacob Salomon, dessen Grabstein noch erhalten ist. Erwähnenswert sind auch die "fremden" Gräber zweier Stralsunder Juden, die nach der Weigerung ihrer Heimatstadt, der dortigen jüdischen Gemeinde einen Begräbnisort zuzugestehen, in Penzlin zur letzten Ruhe gebettet wurden.

Die Erhaltung des Friedhofs fiel der jüdischen Gemeinde von Penzlin spätestens gegen Ende des 19. Jahrhunderts aufgrund der schrumpfenden Mitgliedsbeiträge immer schwieriger, wodurch dieser nach und nach vernachlässigt werden musste. 1913 gaben schließlich in Berlin wohnende Nachkommen Penzliner Juden Geld, um den Friedhof wieder herrichten und umzäunen zu lassen. Als die jüdische Gemeinde 1917 aufgelöst wurde, blieb der Friedhof jedoch erhalten. Die letzte Beisetzung fand mit Johanna Jacob geb. Salomon am 16. November 1923 statt. Der Friedhof blieb während der Zeit des Nationalsozialsmus unangetastet.

Nach dem Krieg wurde der Friedhof durch Privatpersonen gepflegt. Heute erfolgt die Erhaltung durch die Stadt Penzlin, die damit ihrer einstigen jüdischen Einwohner gedenkt. Das mit zahlreichen Bäumen bewachsene Areal ist heute von einer Hecke umgeben. Unterschiedlichen Angaben zufolge sind noch zwischen 53 und 56 Grabsteinen vorhanden, die in acht Grabreihen angeordnet sind.

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(Gramenz, Jürgen / Ulmer, Sylvia - 27.09.2015)
Quellen:

  • https://de.wikipedia.org/wiki/Jüdischer_Friedhof_(Penzlin)
  • Arlt, Klaus / Beyer, Constantin / Ehlers, Ingrid / Etzold, Alfred / Fahning, Kerstin Antje: Zeugnisse jüdischer Kultur. Erinnerungsstätten in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Berlin, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen, Wichern-Verlag, Berlin 1992
  • Borchert, Jürgen / Klose, Detlef: Was blieb... Jüdische Spuren in Mecklenburg, Haude & Spenersche Verlagsbuchhandlung GmbH, Berlin 1994
  • Erinnerungstafel am jüdischen Friedhof in Penzlin
  • Heuer, Siegfried: Chronik der Stadt Penzlin, Eine Dokumentation, Von der Slawenzeit bis zur Gründung des Amtes Penzliner Land, Stadt Penzlin, Penzlin 2001
  • Oelke, Karl-Heinz: Auf den Spuren jüdischer Vergangenheit im Müritzkreis, Landratsamt Müritz und die Städte Waren (Müritz), Röbel/Müritz, Malchow und Prenzlin 1998