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Jüdischer Friedhof Dargun

Region: Mecklenburgische Seenplatte
Adresse: Dargun, außerhalb der Stadt
Erhaltung: geschlossener Friedhof als Mahnmal mit geringem Grabsteinbestand

Geschichte des Friedhofs

Über einen jüdischen Friedhof in der Stadt Dargun während der Phase der jüdischen Erstbesiedlung Mecklenburgs ist nichts bekannt. Der überlieferte jüdische Friedhof von Dargun stammt erst aus der Zeit nach der jüdischen Wiederbesiedlung. Er wurde schon 1769 innerhalb einer alten slawischen Burganlage nordwestlich außerhalb Darguns angelegt und hatte eine Größe von etwa 900 qm. Anders als in anderen Landstädten liegt er auch heute noch weit außerhalb der Stadt innerhalb eines Waldgebietes. Bereits im Jahr der Anschaffung sollen hier die ersten Toten bestattet worden sein.

Über diesen Friedhof ist derzeit noch wenig bekannt. 1886 wurde eine zum Friedhof führende die Treppe angelegt. Widersprüchlichen Quellen zufolge fanden entweder ab 1923 oder erst ab 1938 keine Beerdigungen mehr statt. Gleichfalls unklar sind die Geschehnisse nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Bezug auf den Friedhof. Er wurde mehrfach geschändet, sowohl vor, als auch zur „Reichskristallnacht“ 1938 und auch danach. Fest steht auch, dass die Gemeinde Dargun 1939 die Einebnung des jüdischen Friedhofs beantragte, was aber wohl nie in einer einzigen Aktion erfolgte. Erst 1942 stimmte die Landesregierung dem Antrag der Gemeindeverwaltung Dargun auf Einebnung des jüdischen Friedhofs zu, wogegen einige Darguner Bürger protestierten. Sehr wahrscheinlich wurden hier deshalb spätestens ab 1942 alle verwertbaren Materialien, insbesondere Metalle, zur Versorgung der Kriegswirtschaft entfernt. Bis Kriegsende war er dann vollständig zerstört. Lediglich einige Grabumrandungen und ingesamt drei Grabsteine überstanden diese Zeit.

1963 wurde der Friedhof durch den Kulturbund, die Stadt und Freiwillige zu einer Gedenkstätte umgestaltet. Ein Gedenkstein, der die Überreste des ehemaligen Friedhofs integrierte, wurde daraufhin errichtet. 1994 wurde ein Grabstein von einem Darguner Schüler beschädigt. Heute wird der Friedhof von Darguner Schülern gepflegt. Auf dem Friedhof sind derzeit noch die Grabsteine von Max Liechenheim, Nathan Ludwig, Theodor Lychenheim sowie zehn Grabumrandungen und Sockel vorhanden. 2015 startete die Stadt Dargun in Abstimmung mit der Jüdischen Landesgemeinde Mecklenburg-Vorpommern und mit finanzieller Unterstützung durch das Innenministerium eine mehrjährige Sanierung. Die Toranlage und der Eingangsbereich wurden bereits neu gestaltet.

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(Gramenz, Jürgen / Ulmer, Sylvia - 14.05.2016)
Quellen:

  • http://www.digibib.tu-bs.de/?docid=00043221
  • Arlt, Klaus / Beyer, Constantin / Ehlers, Ingrid / Etzold, Alfred / Fahning, Kerstin Antje: Zeugnisse jüdischer Kultur. Erinnerungsstätten in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Berlin, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen, Wichern-Verlag, Berlin 1992
  • Borchert, Jürgen / Klose, Detlef: Was blieb... Jüdische Spuren in Mecklenburg, Haude & Spenersche Verlagsbuchhandlung GmbH, Berlin 1994
  • Fotodokumentation jüdischer Friedhöfe in Mecklenburg, Pastor a. D. Gerhard Voß, Güstrow
  • Vormann, Heidemarie Gertrud: Bauhistorische Studien zu den Synagogen in Mecklenburg, Dissertation an der Technischen Universität Braunschweig, Braunschweig 2010