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Jüdischer Friedhof Waren (Müritz)

Region: Mecklenburgische Seenplatte
Adresse: Waren (Müritz), Papenbergstraße
Erhaltung: Mahnmal mit Grabsteinbruchstücken

Geschichte des Friedhofs

Ein jüdischer Begräbnisplatz in der Stadt Waren während der Phase der jüdischen Erstbesiedlung Mecklenburgs ist nicht überliefert. Der heute bekannte jüdische Friedhof stammt erst aus der Zeit nach der jüdischen Wiederbesiedlung Mecklenburgs und wurde vermutlich in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts angelegt. Er muss vor 1830 angelegt worden sein, da das am 30. April 1830 verabschiedete Statut der jüdischen Gemeinde in Waren ihn bereits belegt. Festgelegt wurde darin unter aanderem die Zahlung von Beiträgen der Mitglieder an die Gemeinde, von denen neben den Kosten für das Gehalt des Rabbiners, des Religionslehrers und die Erhaltung des Betsaales auch die des Friedhofes bestritten werden sollten. Das Friedhofsgelände befindet sich heute zwischen Papenbergstraße und Feldstraße und hat eine Größe von etwa 1400 qm.

Durch Bestattungsanzeigen ist durch Karl-Heinz Oelke belegt worden, dass die auf diesem Friedhof ehemals Bestatteten zumindest zu den Familien Aronheim, Hinrichsen, Löwenthal, Rosenthal, Tobias, Treumann und Wulfleff gehörten. Sehr wahrscheinlich fanden jedoch auch Mitglieder anderer jüdischer Familien aus Waren hier ihre letzte Ruhe. Das älteste Grab soll einem Lehmann Meyer gehört haben, der schon 1759 beerdigt worden war und der möglicherweise mit seinem damit wieder frei gewordenen Privileg einem Schutzjudeen Samuel Joseph 1760 die Ansiedlung in Waren ermöglichte.

1845 stellte die jüdische Gemeinde von Waren vertreten durch den damaligen Vorsteher Heimann Tobias einen Antrag auf Erweiterung des Geländes, das zwar zunächst durch den Magistrat abgelehnt wurde, später aber mit der Genehmigung des Kaufs eines benachbarten Grundstücks im Januar 1846 faktisch doch bewilligt wurde. Erst aus der Zeit des Ersten Weltkriegs wurde der Friedhof wieder aktenkundig. Im Mai 1917, als die jüdische Gemeinde bereits kaum noch eigene finanzielle Mittel dazu vorweisen konnte, bat der Vorstand den Bürgermeister, die Friedhofsmauer zu reparieren. Der Antrag wurde aufgrund der kriegsbedingten finanziellen Situation der Stadt abgelehnt. Die Reparatur erfolgte dann aber 1920.

Die letzte offizielle Bestattung fand am 4. September 1938 statt. Der Sarg der Verstorbenen Mathilde Loewenberg stand zuvor elf Tage unbeerdigt, da die Nationalsozialisten verboten hatten dort, auf dem jüdischen Friedhof Beisetzung vorzunehmen. Zur „Reichskristallnacht“ 9./10. November 1938 wurde der Friedhof auf Anordnung des Bürgermeisters Dr. Gierck und des Stadtrats Blanck durch SA-Männer geschändet, wobei die Sandsteindenkmäler und Sockel zerstört wurden. Im Anschluss verkaufte die Stadt Marmorplatten und Grabsteine sowie eine Marmorsäule nach Malchin, die Einfriedungen als Altmaterial an eine Warener Firma. Mehrere Grabsteine wurden in die städtische Gärtnerei gebracht, dort zum Bau eines Pferdestalls verwendet und nach dessen Abriss in der Nähe des Tiefwarensees verkippt.

Als Therese Hirsch, die zwar jüdischer Abstammung, aber christlich getauft war, verstarb, musste sie am 24. März 1940 dennoch auf dem jüdischen Friedhof bestattet werden. 1942 wurden alle aus Eisen bestehende Tore und Grabeinfassungen entfernt, so dass danach die Reste des jüdische Friedhofes vollends getilgt waren.

Nach dem Krieg, genauer 1947, stellte die Stadt den Friedhof wieder her. Bruchstücke von Grabmalen sollen noch bis in die 1960er Jahren vereinzelt vorhanden gewesen sein. Im Juli 1961 wurde er der ehemalige Friedhof zu einem Mahnmal umgestaltet, wobei ein von Walter Preik geschaffener Gedenkstein aufgestellt wurde. Die Einweihung erfolgte am 5. August 1961 mit einer Rede von Alfred Scheidemann von der Jüdischen Landesgemeinde Mecklenburg. In diesen Jahren verschwanden aber noch ehemalige Grabsteine, die in die Friedhofsmauer eingelassen waren. 1984 wurde die Friedhofsmauer restauriert und eine Gedenktafel am Eingang angebracht. Anfang der 1990er Jahre wurde die Anlage saniert und ist seitdem auf Wunsch der Jüdischen Landesgemeinde in Mecklenburg-Vorpommern verschlossen. Nach 2000 wurden im Tiefwarensee geborgene Reste und Bruchstücke von Grabsteinen als Mahnung an der Friedhofsmauer vermauert. Eine Sanierung der Mauer, neue Tore und die Vermauerung der Grabsteinreste erfolgten 2001/2002.

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(Gramenz, Jürgen / Ulmer, Sylvia - 16.01.2016)
Quellen:

  • http://www.heimat-mecklenburgische-seenplatte.de/kirchen/kirche-warla/juedisch-waren/juedfrh-waren.htm
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Jüdischer_Friedhof_(Waren)
  • Benkendorf, A. / Rother, D. / Kniesz, J.: Mitmenschen: Jüdisches Leben in Waren zwischen Emanzipation und Vernichtung., Warener Museums- und Geschichtsverein e. V., Chronik: Schriftenreihe des Warener Museums- und Geschichtsvereins, Heft 16, Waren 1999, S. 34 ff.
  • Diekmann, Irene: Wegweiser durch das jüdische Mecklenburg-Vorpommern, Verlag für Berlin-Brandenburg, Potsdam 1998
  • Oelke, Karl-Heinz: Auf den Spuren jüdischer Vergangenheit im Müritzkreis, Landratsamt Müritz und die Städte Waren (Müritz), Röbel/Müritz, Malchow und Prenzlin 1998
  • Stadtarchiv Waren (Müritz) (Kniesz, Jürgen): Auskunft vom 31. August 2017 und 4. September 2017