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Kröpelin

Zur jüdischen Geschichte von Kröpelin


Aufgrund ihrer damaligen Bedeutung ist es eher unwahrscheinlich, dass bereits in der Zeit der jüdischen Erstbesiedlung Mecklenburgs in der Stadt Kröpelin Juden beheimatet gewesen sind. Eine jüdische Ansiedlung in Kröpelin erfolgte dann aber während der Phase der jüdischen Wiederbesiedlung Mecklenburgs und dies im Vergleich zu anderen Mecklenburger Landstädten recht spät.

Die landesweite Steuerliste vom 1. Oktober 1760, die die Recognitionsgelder aller Schutzjuden für den Zeitraum von 1749 bis 1760 aufführt, belegt, dass es in diesem Zeitrahmen keinerlei jüdische Einwohner in Kröpelin gab. Der erste Schutzjude Kröpelins war ein Salomon Hirsch, der ursprünglich aus Neubukow stammte und sein Privileg für die Stadt Kröpelin erst 1784 bekommen hatte. Er muss noch einige Jahre hier der einzige Schutzjude geblieben sein, bis später noch weitere Juden, vor allem aus Neubukow, nach Kröpelin ziehen durften.

Die Annahme erblicher Familiennamen, die eine Forderung des zuvor am 22. Februar 1813 von Friedrich Franz I. erlassenen sogenannten Emanzipationsedikts gewesen war, erfolgte den späteren Recherchen des ehemaligen Landesrabbiners Dr. Siegfried Silberstein zufolge in Kröpelin am 18. Mai 1813. Dabei wurden insgesamt fünf Familiennamen nach Schwerin gemeldet, von denen vier unterschiedlich waren: Franck (später Frank), Heynsen (später Heynssen), Holstein und Levetzow.

Auch danach zogen noch weitere Schutzjuden nach Kröpelin, wie das Bürgerbuch der Stadt belegt. So zahlte Meyer Hirsch aus Neubukow ab dem 1. November 1815 sein Bürgergeld und am 2. November 1815 kam ein Pinkus Levin (später auch Levi), der zuvor Schutzjude von Hagedorn und Erbzinspächter zu Diedrichshagen war, nach Kröpelin. Bis mindestens 1831 ging Letzterer trotz hiesigem Wohnsitzes weiterhin seinem Broterwerb in Diedrichshagen nach.

Als die jüdische Gemeinde schon aus 40 Köpfen bestand, beantrage diese am 25. Juni 1821 einen eigene Friedhof, der noch im gleichen Jahr nördlich außerhalb der Stadt angelegt wurde. Eine Synagoge hingegen hat es in Kröpelin nie gegeben. Wie und wo die Kröpeliner Juden ihre Gottesdienste feierten, ob sie dazu in eine Nachbargemeinde fuhren oder eine angemietete Betlokalität nutzten, ist bisher ungeklärt.

Mit dem Ende des ersten Quartals wuchs die jüdische Bevölkerung, was auch das Generalverzeichnis der in den Städten des Großherzogtums Mecklenburg-Schwerin privilegierten Schutzjuden aus den Jahren 1824/25 belegt. Es gab damals 13 Inhaber eines Schutzbriefes: Salomon Hirsch Heinssen, Gabriel Hirsch Heinssen, Jonas Levi Levetzow, die Witwe des Marcus David Holstein, Isaac Simon Frank, Pincus Levi, Meyer Hirsch Heinssen, Joseph Abraham Rosenstein, Salomon Simon, Valentin Heinssen, Joseph Raphael Fränkel, Joseph Meier und Simon Jacob, wobei die letzten drei Genannten sich zu diesem Zeitpunkt in Doberan aufhielten.

Am 25. Juni 1847 erließ sich die Kröpeliner Judenschaft eine eigene Gemeindeordnung. In den Folgejahren müssen die Beziehungen zur nahen Doberaner Gemeinde an Bedeutung zu- und die in der Frühzeit ursprünglich starken Beziehungen zur Neubukower Gemeinde abgenommen zu haben. Dies ging dann so weit, dass sich die jüdische Gemeinde von Doberan der Kröpeliner anschloss. Wie sich einer Anfrage des Schweriner Ministeriums für Unterricht, Kunst, geistliche Angelegenheiten an die Doberaner Gemeinde entnehmen lässt, muss dies weit vor 1869 geschehen sein. Eine Gemeindeliste vom 28. September 1869 führt deshalb jüdische Personen sowohl aus Doberan als auch aus Kröpelin. In Ersterer waren zu diesem Zeiptunkt nur eine Familie mit fünf Personen aufgeführt: Julius Bernhard mit seinen Kindern Martin (Meyer), Zerchen, Siegismund (Schulen), Johanna (Chane), in Letzterer waren dies insgesamt 18, wobei das bei weitem nicht die Gesamtanzahl der jüdischen Einwohner darstellte. Aufgeführt waren dort: Frau M. Heinssen, Sophie Salender und ihre Schwester, Levy Salender, S. J. Heinssen, Ferdinand Heinssen, Dr. Weil, Simon Ascher, B. Levetzow, Julius Ascher, Valentin Holstein, Levy Marcus Holstein, Simon Pincus, Frau I. Pincus, Fräulein R. Hosterin, Moritz Holstein, Lehrer Wolff und Meyer Heinssen.

Die Religionslehrer

Leider ist bisher kein einziger Gemeindevorsteher von Kröpelin bekannt geworden. Dem hingegen sind noch viele Namen derer überliefert, die hier als Religionslehrer tätig waren: Magnus Herzfeld aus Ribnitz von Ostern 1826 bis 1830, Ahronson aus Schwerin Ostern 1833 bis 1834, Marcus aus Güstrow von Ostern 1834 bis Michaelis 1834, Isaacson aus Altstrelitz von Michaelis 1834 bis Michaelis 1836, Holländer aus Ratzeburg von Michaelis 1836 bis Ostern 1840, Albu aus Schwerin von Ostern 1840 bis Ostern 1842, Freidenberg aus Wittstock von Ostern 1842 bis 1843, Rosenthal von Ostern 1843 bis 1844, Freyenberg aus Polen von Ostern 1844 bis 1846, Cohn aus Polen von Ostern 1846 bis 1847, Sternberg von Ostern 1847 bis 1853 und Gans aus Westfalen von Ostern 1853 bis Neujahr 1853. Wie Tobias Ascher aus Doberan in einem Schreiben vom 6. März 1882 an den Israelitischen Oberrat verlauten ließ, muss in den 1880er Jahren Emil Lesser Lehrer in Kröeplin gewesen sein, jedoch 1882 gekündigt haben. Er bat deshalb darum, dass der Kultusbeamte und Kantor der Rostocker Gemeinde, Bernhard Sawitz, die hiesige Gemeinde betreuen möge.

Die jüdische Gemeinde von Kröpelin gehörte stets zu den kleineren in Mecklenburg. Selbst zur Blütezeit der Mecklenburger Gemeinden während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts lebten in Kröpelin weniger als 50 jüdische Einwohner. Um die Mitte dieses Jahrhunderts gab es hier insgesamt 14 jüdische Familien. Den zahlenmäßigen Höchststand erreichte die Gemeinde erst um 1867 mit etwas mehr als 60 jüdischen Einwohnern. Die Zahl sank bis etwa 1880 nur geringfügig, fiel danach aber massiv bis zur Jahrhundertwende, als nur noch etwa fünf jüdische Einwohner in der Stadt lebten. Eine jüdische Gemeinde war zwar noch auf dem Papier existent, finanziell als Körperschaft jedoch nicht mehr lebensfähig. Dennoch sollte es noch bis 1917 dauern, bis die jüdische Gemeinde sich auflöste und die verbliebenen Mitglieder sich der jüdischen Gemeinde in Rostock anschlossen.

1932 wohnten nachweislich noch zwei jüdische Personen in Kröpelin, die wohl hier dann auch die Machtergreifung der Nationalsozialisten erlebten. Ihr weiteres Schicksal, inbesondere welche Auswirkungen die allgemeine antisemitische Verfolgung hier auf sie hatte, bedarf weiterer Nachforschungen. Mindestens sieben gebürtige Kröpeliner, die vermutlich alle bereits vor der Machtergreifung verzogen waren, wurden später Opfer des Holocaust.

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(Gramenz, Jürgen / Ulmer, Sylvia - 20.04.2017)
Quellen:

  • http://www.stadt-kroepelin.de/kroepelin/geschichte/
  • Arlt, Klaus / Beyer, Constantin / Ehlers, Ingrid / Etzold, Alfred / Fahning, Kerstin Antje: Zeugnisse jüdischer Kultur. Erinnerungsstätten in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Berlin, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen, Wichern-Verlag, Berlin 1992
  • Bürgerbuch der Stadt Kröpelin
  • Francke, Norbert / Krieger, Bärbel: Die Familiennamen der Juden in Mecklenburg: Mehr als 2000 jüdische Familien aus 53 Orten der Herzogtümer Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz im 18. und 19. Jahrhundert. Schriften des Vereins für jüdische Geschichte und Kultur in Mecklenburg und Vorpommern e. V., Verein für jüdische Geschichte und Kultur in Mecklenburg und Vorpommern e.V., Schwerin 2001
  • Landeshauptarchiv Schwerin: Rep. 2.12-4/5, Nr. 632, 665 (Judenangelegenheiten); Rep. 5.12-7/1, Nr. 9048, Nr. 9058 (Meckl.-Schwerin Ministerium für Unterricht, Kunst, geistliche Angelegenheiten); Rep. 10.72-3/1, Nr. 155 (Judenangelegenheiten der jüdischen Gemeinden Meckl.-Schwerin)

Jüdische Bevölkerungsentwicklung in Kröpelin


Jüdische Bevölkerungsentwicklung in Kröpelin

Familien mit Bezug zu Kröpelin


Ahronson/Ahronsohn, Albu, Arons, Ascher, Back, Burchard, Cohn, Engel, Ewer, Frank/Franck, Freidenberg, Freyenberg, Fränkel/Fraenkel, Gans, Gedalje, Gross, Heinssen/Heynsen/Heynssen, Herzfeld, Heynssen, Hirsch, Holländer, Holstein, Hosterin, Isaac, Isaacson, Itzig, Jacob, Jacobsen, Jacobson, Lesser, Levetzow, Levi/Levin, Levy, Lichenheim, Lychenheim, Marcus, Mayer, Meier/Meyer, Mendel, Naftalie, Ohde, Pincus, Raabe, Rosenstein, Rosenthal, Röper, Salender, Salomon, Simon, Sperling, Stern, Sternberg, Unna, Weil, Wolff, Wulff

Bekannte Holocaust-Opfer (7)


  • Siegfried Heynssen
  • Henny Hirsch geb. Heynssen
  • Gustav Holstein
  • Johanna Holstein geb. Levy
  • Julius Holstein
  • Martin Levy
  • Martha Samuel geb. Pincus

Veröffentlichungen zu den Juden von Kröpelin


Publikationen


  • Arlt, Klaus / Beyer, Constantin / Ehlers, Ingrid / Etzold, Alfred / Fahning, Kerstin Antje: Zeugnisse jüdischer Kultur. Erinnerungsstätten in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Berlin, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen
  • Borchert, Jürgen / Klose, Detlef: Was blieb... Jüdische Spuren in Mecklenburg
  • Buddrus, Michael / Fritzlar, Sigrid: Die Städte Mecklenburgs im Dritten Reich: ein Handbuch zur Stadtentwicklung im Nationalsozialismus, ergänzt durch ein biographisches Lexikon der Bürgermeister, Stadträte und Ratsherren
  • Voß, Gerhard: Jüdische Friedhöfe in Mecklenburg – eine Bestandsaufnahme
    In: Studienhefte zur Mecklenburgischen Kirchengeschichte, Heft 1 (1993), S. 5-15

Dokumente mit Bezug zu den Juden von Kröpelin


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Beschreibung Zeitpunkt/Zeitraum Typ
Auszug aller privilegirten Juden und was selbige Laut der, mittelst Herzoglich Verordnung vom 20. Septbr. 1760 Communicirten Specification An Schutz-Geld Zur Herzoglich. Renterey von Anno 1749 bis zum Termino Trinitatis 1760 bezahlet haben, und darauf nach infinuation gedachter Specification, nemlich den 1ten Octobr. 1760 Restiren. 1749-1760 Transkript
General-Verzeichniß der in den Städten des Großherzogthums Mecklenburg Schwerin privilegirten sämmtlichen Schutz-Juden 3. Januar 1825 Transkript