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Neustrelitz

Zur jüdischen Geschichte von Neustrelitz


Die ursprüngliche Stadt Strelitz wurde bereits im 14. Jahrhundert gegründet. Daraus bildeten sich später zwei zunächst unabhängige Schwesterstädte: Strelitz Alt, Alt-Strelitz oder Altstrelitz einerseits und die neu gegründete Residenzstadt Neustrelitz andererseits. Beide Städte sind heute wieder in einer gemeinsamen Stadt vereinigt, die den Namen Neustrelitz trägt. Die jüdische Geschichte beider Stadtteile entwickelte sich deshalb zum Teil unterschiedlich.

Ob das ursprüngliche Strelitz während der Phase nach der jüdischen Erstbesiedlung über jüdische Einwohner verfügte, ist mangels Überlieferung und Quellen derzeit nicht zu klären. Die jüdische Wiederbesiedlung fand in dieser Stadt dann jedoch außerordentlich früh statt und ist der Tatsache zu verdanken, dass Strelitz Anfang des 18. Jahrhunderts die Residenzstadt des Herzogs von Mecklenburg-Strelitz und damit auch die Landeshauptstadt war. Herzog Adolf Friedrich II. von Mecklenburg-Strelitz holte dem Orientalisten Tychsen zufolge 1698, nach späteren Quellen erst zur Jahreswende 1703/1704, jüdische Bankiers aus Frankfurt/Oder namens Jacob Isaak (bei Tychsen Rabbi Iakof) und Simon Moyses an seinen Hof. Der Herzog hatte sich damit die Finanzierung seiner Vorhaben erhofft, die zu einem wirtschaftlichen Aufschwung im Lande führen sollten. Die damalige Gattin des Herzogs tat es ihm gleich. Auch sie stellte einen jüdischen Hofagenten namens Alexander aus Sondershausen an, der wohl ihre finanziellen Geschäfte zu regeln hatte.

Zumindest bei Jacob Isaak ist belegt, dass er bereits im Dezember 1703 beim Herzog einen Schutzgeleitbrief erhalten hatte. Solche Schutzgeleitbriefe gab es damals zwar gegen einen moderaten Betrag von fünf Reichstalern, jedoch boten diese nur geringe Rechte, denn diese gewährten keine Niederlassungserlaubnis und kein Recht zum Handel aus offenem Laden. Ein Jahr später, im Oktober 1704, erhielten alle drei Hofjuden schließlich das Wohnrecht für Strelitz, sehr wahrscheinlich durch die guten Beziehungen Jacob Isaaks zum Herzog. Mit diesen Privilegien durften sie gleichzeitig nun auch Handel in den „Stargardischen Landen“ treiben. Für damalige Verhältnisse waren dies ungewöhnlich freizügige Privilegien, da diese nicht nur auf eine bestimmte Stadt begrenzt waren. Mit solchen Rechten ausgestattet, war der Lebensunterhalt der drei Hofjuden gesichert und ermöglichte ihnen, auch ihre Frauen und Kinder nachzuholen. Sie bildeten damit eine erste jüdische Gemeinschaft am Hofe, die wohl auch schon über einen jüdischen Lehrer verfügte. Eine Besonderheit der zuvor erteilten Niederlassungserlaubnisse war, dass ihnen damit sogar die Anlage eines eigenen Friedhofs gestattet worden war, auch wenn die Umsetzung letztlich erst 1728 erfolgte.

Aufgrund der Tatsache, dass Strelitz ein bedeutendes Handelszentrum war und die bereits ansässigen Hofjuden trotz einer seit dem 1. Juli 1704 bestehenden gegenteiligen Herzogsresolution weitere jüdische Familien nachzogen, kam es schon 1705 zu Beschwerden seitens christlicher Familien in Strelitz. Der Herzog gab dem Drängen nach Begrenzung des Zuzug zwar pro forma nach, legitimierte aber neue jüdische Familien in Strelitz dennoch durch Erteilung weiterer Schutzbriefe. Auch der Tod des Herzogs im Jahre 1708 änderte an der grundsätzlichen Ausrichtung der Landespolitik in dieser Hinsicht nichts. Der Nachfolger und Sohn des Herzogs, Herzog Adolf Friedrich III., ernannte schon 1709 den Hofjuden seines Vaters, Jacob Isaak, auch zu seinem Hofjuden. Denn wie sein Vater war auch er darauf bedacht, seine Vorhaben, insbesondere die Errichtung des Strelitzer Residenzschlosses, über Kredite finanzieren zu können und dabei kam ihm das offensichtliche Geschick Isaaks sehr gelegen. Jacob Isaak blieb dabei nicht allein, denn auch seinen Knecht, einen Juden namens Wolf, ernannte Herzog Adolph Friedrich III. zu seinem weiteren Hofjuden. Dieser gilt heute, ob nun verdient oder nicht, als Begründer der jüdischen Gemeinde von Strelitz.

Nachdem in der Nacht vom 24./25. Oktober 1712 das Residenzschloss in Strelitz abgebrannt war, verlor Strelitz ihre Rolle als Residenz der Herzöge, wodurch auch ihre wirtschaftliche Bedeutung und damit auch die Einwohnerzahl schwand. Der Herzog steuerte deshalb gegen und erlaubte den weiteren Zuzug jüdischer Familien. Gleichzeitig begannen Planungen zum Bau eines neuen Residenzschlosses unweit der Stadt Strelitz, um dessen Finanzierung sich der Hofjude Jacob Isaak zu kümmern hatte. Dies führte 1726 zum Baubeginn. Nach Fertigstellung des neuen Residenzschlosses im Jahre 1733 war aus der ursprünglichen Stadt Strelitz nun Alt-Strelitz und Neustrelitz geworden und führte noch weiter zur Abwanderung Alt-Strelitzer Einwohner und insbesondere von Kaufleuten und Staatsbediensteten, dem der Herzog mit Beförderung des jüdischen Zuzugs durch das Versprechen einer 10jährigen Steuerfreiheit, günstigen Bauplätzen und Baumaterial und freier Religionsausübung für die Schutzjuden zu begegnen suchte. Der Plan des Herzogs ging auf: Der jüdische Zuzug rettete schließlich Alt-Strelitz vor einem wirtschaftlichen Zusammenbruch.

Für die Juden war Alt-Strelitz zum Zentrum der jüdischen Gemeinde von ganz Mecklenburg-Strelitz geworden. Neben den geförderten und offiziellen Zuzügen von Juden in Alt-Strelitz war es nach dem Brand noch zusätzlich zu illegalen Zuwanderungen gekommen, die die jüdische Einwohnerzahl bis Mitte des 18. Jahrhunderts auf etwa 25 % der Gesamteinwohner steigerte, alles in allem etwa 600 Personen. Die Juden selbst nannten ihre Heimatstadt bald "Oll Mochum", so viel wie Alte Heimat, oder scherzhaft das westlichste Schtetl, eine Anspielung auf die typisch ostjüdischen, gut etablierten Ortschaften, die nahezu nur aus jüdischen Einwohnern bestanden. Neustrelitz hingegen spielte in Hinsicht der jüdischen Geschichte im 18. und 19. Jahrhundert noch eine eher untergeordnete Rolle.

Die erste Synagoge wurde am 5. September 1763 in Alt-Strelitz eingeweiht. Zuvor wurden die Gottesdienste sehr wahrscheinlich in privaten Wohnungen druchgeführt. Belegt ist auch für dieses Jahr, dass Rabbiner und gleichzeitig der Vorsteher der großen Alt-Strelitzer Gemeinde ein Mann namens Jehuda Lebh war, der spätere Oberrabbiner von Mecklenburg-Strelitz Levin Hirsch Levi.

1768 wurde die mittlerweile 70 Familien zählende jüdische Gemeinde von Strelitz (Alt) offiziell gegründet. Eine Gemeindeordnung scheint schon vorher existiert zu haben, deren Statuten dann auch landesherrlich am 24. Juni 1768 bestätigt wurden. Diese sahen, anders als in den meisten jüdischen Gemeinden in den beiden Mecklenburg, nicht einen aus einem Vorsteher, Vertreter und Rechnungsführer bestehenden Vorstand vor, sondern aufgrund der Größe der Gemeinde einen Ältestenrat, der für die weiteren Regelungen und Probleme innerhalb der Gemeinde zuständig war. Ihm war durch die Landesregierung eine recht weitgehende Verwaltungsautonomie zugestanden worden, dessen Ausdruck unter anderem ein uniformierter jüdischer Landreiter war, der polizeiliche Aufgaben übernahm, freilich nur gegenüber den jüdischen Einwohnern. Dieser Strelitzer Ältestenrat war darüber hinaus gleichzeitig der Vorstand der Landesgemeinde von Mecklenburg-Strelitz. In der zweiten Häfte des 18. Jahrhunderts wurde auch eine jüdische Schule in Alt-Strelitz erbaut, von der allerdings nur wenig überliefert ist.

Erst 1770 durfte in Neustrelitz der erste Jude, der Hofjude und Hof- und Kammeragent Nathan Meyer, ein Haus kaufen. Landesherrlich war die Ansiedlung von Juden in Neustrelitz wohl nicht erwünscht. So war es offiziell bis 1800 Juden nicht erlaubt, in der neuen Residenzstadt zu wohnen. Der Herzog sah freilich die Vorteile der Ansiedlung und widersetzte sich dem Zuzug von Juden auch in Neustrelitz nur halbherzig. Im Gegenteil, mit der Verordnung vom 18. April 1804 hob Herzog Carl den Judenleibzoll auf, was damit eine Gleichstellung der Juden beim Handel darstellte. Die Strelitzischen Städte, für die das einen Einnahmeverlust bedeutete, versuchten sich zwar dagegen zu wehren, blieben damit aber letztlich erfolglos. 1810 wohnten in Neustrelitz schon 32 Juden, was Herzog Carl 1811 dazu bewegte, den Neustrelitzer Juden ein Grundstück für einen eigenen kleinen Friedhof zu schenken.

Nachdem der Herzog Friedrich Franz I. in Mecklenburg-Schwerin das Emanzipationsedikt vom 22. Februar 1813 erlassen hatte, schloss sich auch der Herog von Mecklenburg-Strelitz dem Regelungsgehalt des Edikt an. Die durch dieses Edikt geforderte Annahme erblicher Familiennamen bei den Juden wurde deshalb auch im Herzogtum Mecklenburg-Strelitz durchgeführt. Der entsprechende Vorschlag vom 16. Mai 1814 wurde hier am 1. Juni 1814 veröffentlicht. Die jüdische Gemeinde von Alt-Strelitz reichte ihre Namensliste am 20. Juli 1814 ein. Diese enthielt insgesamt 95 Familiennamen. Die jüdische Gemeinde von Neustrelitz gab sieben Namensannahmen mit insgesamt fünf unterschiedlichen Familiennamen bekannt: Arndt, Ehrenbaum, Elliot, Heymann und Horwitz. Alle Namenslisten der Strelitzer Gemeinden wurden schließlich am 31. August 1814 in den Strelitzischen Anzeigen veröffentlicht. Auch wenn die Rechte des Edikts 1817 wieder kassiert wurden, behielten alle Mecklenburger Juden fortan ihre erblichen Familiennamen.

Das Emanzipationsedikt war für die Juden der erste Schritt zu ihrer rechtlichen Gleichstellung gewesen. Es ist daher nicht verwunderlich, dass gerade in dieser Zeit der Patriotismus und das Zugehörigkeitsgefühl der Mecklenburger Juden zu ihrer Heimat wuchs. Aus dem gleichen Jahr ist eine Bittschrift der Alt-Strelitzer Judenschaft überliefert, in der sie Herzog Carl um Teilnahme an den Befreiungskriegen gegen Napoleon baten. Die Juden an seinen Streitkräften offiziell zu beteiligen, führte wohl für den Herzog zu weit und er würdigte die Bitte keiner Antwort. Sehr wahrscheinlich beteiligten sich dann doch einige Strelitzer Juden an der Befreiung ihrer Heimat, denn aus anderen Teilen Mecklenburg ist die Teilnahme jüdischer Kämpfer an den Napoleonischen Befreiungskriegen in dieser Zeit belegt. Viele Strelitzer Juden spendeteten darüber hinaus für die Aufstellung eines Husarenregiments in Mecklenburg-Strelitz.

Die Bedeutung der Alt-Strelitzer Gemeinde wuchs auch im 19. Jahrhundert. 1815 richtete Herzog Georg das Ober- und Landesrabbinat in Alt-Strelitz ein. Am 1. Mai 1827 wurde mit Genehmigung und finanzieller Unterstützung des Herzogs in Höhe von jährlich 100 Reichstalern in Altstrelitz die „Öffentliche und Freischule der jüdischen Gemeinde zu Strelitz“ gegründet. Diese war in der Fürstenberger Straße 30 beheimatet und Direktor der Schule war Dr. phil Gingsberg. Mindestens über fünf jüdische Lehrer verfügte die Schule, darunter ab 1837 Dr. Wolf Sophar. Besonderheit dieser Bildungsanstalt war, dass hier auch nicht-jüdische Schüler aufgenommen wurden. Dem Bürgermeister und Rat von Strelitz war diese Schule allerdings ein Dorn im Auge, da sie Sorge um das Christentum in ihrer Stadt hatten und die Infektion ihrer christlichen Kinder mit jüdischen Grundsätzen befürchteten. Am 18. Januar 1835 wandten sie sich an den Großherzog, um ein Verbot des Besuchs durch die Strelitzer Kinder zu erreichen, kamen damit jedoch aufgrund des guten Rufs der Schule zunächst nicht durch. 1842 wurde Dr. Daniel Sanders Direktor der Schule, welcher hier selbst zuvor als Schüler gelernt hatte. Das Aufblühen der Schule war vor allem seinem Einsatz zu verdanken.

Die revolutionäre Stimmung im Jahr 1848 führte dazu, dass in Alt-Strelitz durch Sanders, den Bürgermeister Nauwerk, Stadtrichter Petermann und Binnenmüller Lehmann der Alt-Strelitzer Reformverein gegründet wurde, der die die bürgerliche Gleichstellung, auch die der Juden, im Lande fördern sollte. Die Rechtsgleichheit wurde zwar 1849 in Mecklenburg erreicht und für die Juden auch die rückständigen Regelungen des LGGEV außer Kraft gesetzt, mit dem Scheitern der Deutschen Revolution 1850 wurden diese aber letztlich wieder kassiert. Insbesondere für die jüdischen Einwohner war das Scheitern der Revolution eine Katastrophe und beschleunigte deshalb gleichzeitig den konfessionellen Übertritt in Alt-Strelitz und die Auswanderung aus dem Lande. Auch für die jüdische Schule in Alt-Strelitz hatte es einschneidende Konsequenzen: Mit Erlass vom 20. September 1851 durften christliche Kinder nicht mehr die jüdische Freischule besuchen, bis sie 1852 als Konkurrent der städtischen Schulen endgültig geschlossen wurde. Hauptgrund dafür dürften jedoch die „demokratischen Umtriebe“ des Direktors Sanders gewesen sein. Die jüdische Kinder mussten danach in städtische Schule gehen.

Alt-Strelitz behielt zwar zunächst ihre Bedeutung als jüdische Hauptstadt des Landes. 1859 hatte hier der Landesrabbiner Dr. Jacob Hamburger seinen Hauptsitz. Die durch die industrielle Revolution bedingte Abwanderung in die Großstädte setzte den Mitgliederschwund fort, der durch das Scheitern der Deutschen Revolution bereits eingeläutet wurde. Bis 1900 war die Gemeindegröße in Alt-Strelitz so weit gesunken, dass Neubrandenburg deren Rang als größte jüdischen Gemeinde von Mecklenburg-Strelitz abgenommen hatte. Das führte dazu, dass durch landesherrliche Verordnung vom 6. Februar 1914 der Sitz der jüdischen Landesgemeinde nach Neubrandenburg verlegt wurde. Von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis 1932 hatten Alt- und Neustrelitz weit über 300 jüdische Einwohner eingebüßt. Eine Folge des Schwunds war dann auch die Zwangseingemeindung der Neustrelitzer Gemeinde in die Alt-Strelitzer am 1. Januar 1932.

Zur Machtergreifung der Nationalsozialisten kam es auch hier zu den üblichen Repressalien gegen die jüdische Bevölkerung. Zum sogenannten „Judenboykott“ am 1. April 1933 wurden Schaufenster mit Davidstern beschmiert und es standen wie andernorts auch SA-Leute vor jüdischen Geschäften und versuchten Interessenten am Betreten zu hindern. 1935 überfielen SA-Leute die Wohnung der Familie Rosenthal in Neustrelitz und verwüsteten diese. Durch die rassistischen Verfolgungen emigrierten jüdische Einwohner ins Ausland oder suchten ihr Heil in der Anonymität der Großstädte. 1938 gab es deshalb nur noch etwa 25 Mitglieder der jüdischen Gemeinde in der Stadt. Zur „Reichskristallnacht“ am 9./10. November 1938 kam es zu zahlreichen Aktionen. In den frühen Morgenstunden des 10. November 1938 verschaffte sich ein Mob aus SA-, SS-Leuten und NSdAP-Mitgliedern Zutritt zum Innenraum der Synagoge in Alt-Strelitz, demolierte die Inneneinrichtung und steckte diese anschließend in Brand. Die SA hinderte die herbeigerufene Feuerwehr am Löschen, sodass die Synagoge vollständig ausbrannte. Die Geschäftsläden Goldstein und Bock, das Schreibwarengeschäft Schönlanker wurden zertrümmert. Am Vormittag des 10. November kam es zur Verhaftung von mindestens 18 Männern und Frauen, die anschließend in das Gefängnis Alt-Strelitz verbracht wurden. Ihre Entlassung stand unter der Forderung, das Land so schnell wie möglich zu verlassen. Viele leisteten zwangsläufig früher oder später Folge, Frieda und Sarah Lewinsky aber sahen keinen Ausweg mehr für sich und erhingen sich unmittelbar nach ihrer Entlassung. Am 11. und 13. November kam es noch zu weiteren Verhaftungen vereinzelter jüdischer Einwohner. Die jüdischen Friedhöfe in Alt-Strelitz und Neustrelitz wurden zur oder nach der „Reichskristallnacht“ verwüstet. Nach der „Reichskristallnacht“ wurde sich Gemeinde Alt-Strelitz mit der Gemeinde Neubrandenburg vereinigt. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde wurde anschließend nach Neubrandenburg verlegt, dessen Vorsitzender zunächst der Neustrelitzer Kaufmann Laib Landau war. Ihm folgte spärer der Neubrandenburger Isidor Heine.

Als in einer landesweiten Aktion am 10. Juli 1942 zahlreiche Mecklenburger Juden zusammengetrieben und deportiert wurden, waren darunter auch zehn Personen aus Neustrelitz: Eduard, Käthe , Regina und Hans Wolfson, Bernhard, Martha und Benno Grünfeldt, Minna Schüler, Selma und Franziska Steinberger. Während der zweiten großen Deportationsaktion am 11. November 1942 diente das Gefängnis von Alt-Strelitz abermals als Sammelpunkt für die Deportationen der restlichen Mecklenburger Juden. Auch an diesem Tag wurden aus Neustrelitz jüdische Einwohner deportiert, so Gertrud Prager und drei weitere jüdische Einwohner. Die meisten von ihnen wurden Opfer des Holocaust. Am 12. November 1942 erklärte sich die Stadt für schließlich für „judenfrei“. Nach dem Krieg sollen in Neustrelitz noch drei überlebende Juden gewohnt haben, darunter Eduard Wolfsohn. Was aus ihnen wurde, ist unbekannt.

Um die Erhaltung der jüdischen Geschichte von Alt- und Neustrelitz haben sich vor allem die Heimatforscher Klaus Giese (†) und Harald Witzke mit zahlreichen Publikationen verdient gemacht.

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(Gramenz, Jürgen / Ulmer, Sylvia - 25.06.2016)
Quellen:

  • Diekmann, Irene: Wegweiser durch das jüdische Mecklenburg-Vorpommern, Verlag für Berlin-Brandenburg, Potsdam 1998
  • Francke, Norbert / Krieger, Bärbel: Die Familiennamen der Juden in Mecklenburg: Mehr als 2000 jüdische Familien aus 53 Orten der Herzogtümer Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz im 18. und 19. Jahrhundert. Schriften des Vereins für jüdische Geschichte und Kultur in Mecklenburg und Vorpommern e. V., Verein für jüdische Geschichte und Kultur in Mecklenburg und Vorpommern e.V., Schwerin 2001
  • Hofmann, Peter: Jüdisches Leben in Mecklenburg-Strelitz, Steffen Verlag, Friedland/Mecklenburg 2007
  • Kasten, Bernd: Verfolgung und Deportation der Juden in Mecklenburg 1938-1945, Landeszentrale für politische Bildung Mecklenburg-Vorpommern, Thomas Helms Verlag, Schwerin 2008
  • Winkopp, Peter Adolph: Ueber die Verfassung der Juden in den Herzogtümern Mecklenburg, Hofkammerrat Peter Adolph Winkopp, Der Rheinische Bund, Eine Zeitschrift historisch-politisch-statistischen Inhalts, Band 18, J. C. B. Mohr, Frankfurt am Main 1811

Jüdische Bevölkerungsentwicklung in Neustrelitz


Jüdische Bevölkerungsentwicklung in Neustrelitz

Familien mit Bezug zu Neustrelitz


Ahrenheim, Ahron, Arndt, Arnheim, Auerbach, Barsdorff, Behrens, Bock, Brandenburg, Burchard, Calmann, Cohn, Ehrenbaum, Eliason, Elliot, Friedberg, Gingsberg, Goldstein, Grünfeldt, Gutstadt, Götzen, Held, Heymann, Hirsch, Horwitz, Israel, Jacoby, Kaempf, Klein, Landau, Levy, Lewinsky, Lewitsch, Liepmann, Litten, Löwe, Markheim, Meier, Mendelsohn, Moses, Oranienburger, Paul, Plewinski, Pommerantz, Prager, Reichmann, Rosenbaum, Rosenberg, Rosenhainer, Rosenthal, Schönlanker, Schüler, Sophar, Stavenhagen, Steinberger, Wiener, Willert, Wolffson, Wolfram, Wolfson/Wolfsohn, Würzburg, Zimack

Persönlichkeiten


Bekannte Holocaust-Opfer (49)


  • Dr. dent. Leopold Berendt
  • Hugo Bock
  • Gerhard Burchard
  • Threrese Dautz geb. Joessel
  • Else Frankl geb. Löwe
  • Benno Grünfeldt
  • Bernhard Grünfeldt
  • Martha Grünfeldt
  • Irma Hamburger
  • Wanda Hamburger
  • Olga Haselwanger geb. Paul
  • Isidor (Hermann) Heine
  • Max Heine
  • Käthe Israel geb. Moses
  • Rosa Keibel geb. Heine
  • Charlotte (Lea) Kornblum geb. Liebenthal
  • Erna Landau geb. Shenker
  • Ida Lewinsky
  • Sara Lewinsky
  • Frieda Lewinsky
  • Wilhelm Liebenthal
  • Albert (David) Liebenthal
  • Moritz (Moses) Liebenthal
  • Hugo Liebenthal
  • Margarete Lindenberg geb. Lewin
  • Hans Litten
  • Margarete Meyer geb. Jacoby
  • Eugen Michaelis
  • Bruno Paul
  • Friedrich Paul
  • Leopold Paul
  • Gustav Pommer
  • Max Pommerantz
  • Lucy Pust geb. Paul
  • Minna Riess geb. Lewinsky
  • Gertrud Rosenbaum geb. Wolfson
  • Henriette Rosenthal
  • Salomon Rosenthal
  • Minna Schüler
  • Lilli Simon geb. Moses
  • Franziska Steinberger
  • Selma Steinberger
  • Nathan Uscherenko
  • Siegfried Wolfram
  • Eduard Wolfson
  • Hans Wolfson
  • Regina Wolfson
  • Käthe Wolfson geb. Pagel
  • Pauline Zimack geb. Ephraim

Stolpersteine: 10


  • Augustastraße 27
    • Henriette Rosenthal
    • Salomon Rosenthal
  • Zierker Straße 53
    • Erna Landau geb. Shenker
  • Strehlitzer Straße 50
    • Joseph Lewitsch
  • Töpferberg 4
    • Moses Max Rosenbaum
  • Strehlitzer Straße 46
    • Hans Litten
    • Martha Litten geb. Cohn
  • Glambecker Straße 41
    • Else Burchard geb. Bernhard
    • Gerhard Burchard
    • Ernst Burchard

Veröffentlichungen zu den Juden von Neustrelitz


Publikationen


  • Die ehemalige Jüdische Synagoge der jüdischen Gemeinde: vor 50 Jahren von den Faschisten niedergebrannt
    In: Freie Erde, Ausgabe vom November 1988
  • Bemowsky, Heinz / Wilhelmus, Wolfgang: Jüdisches Leben in Anklam
    In: Heitmann, Margret / Schoeps, Julius H. (Hrsg.): „Halte fern dem ganzen Lande jedes Verderben ...“: Geschichte und Kultur der Juden in Pommern, Hildesheim/Zürich/New York 1995, S. 183-192
  • Bäcker, Lars: Juden in Schwedisch-Vorpommern
    In: Heitmann, Margret / Schoeps, Julius H. (Hrsg.): „Halte fern dem ganzen Lande jedes Verderben ...“: Geschichte und Kultur der Juden in Pommern, Hildesheim/Zürich/New York 1995, S. 77-97
  • Etzold, Alfred: Über die jüdische Gemeinde und ihren Friedhof in Alt-Strelitz
    In: Neue Schriftenreihe des Karbe-Wagner-Archiv, 6/2008, S. 90-100
  • Genz, Peter: 170 Jahre jüdische Gemeinde in Stralsund: Ein Überblick
    In: Heitmann, Margret / Schoeps, Julius H. (Hrsg.): „Halte fern dem ganzen Lande jedes Verderben ...“: Geschichte und Kultur der Juden in Pommern, Hildesheim/Zürich/New York 1995, S. 119-144
  • Giese, Klaus: Alt-Strelitz
    In: Diekmann, Irene: Wegweiser durch das jüdische Mecklenburg-Vorpommern, Verlag für Berlin-Brandenburg, Potsdam 1998, S. 51-66
  • Giese, Klaus: Mit der Synagoge verbrannte eine ganze Kultur
    In: Nordkurier, Strelitzer Zeitung (Serie: Strelitz vor dem 650jährigen Jubiläum), Ausgabe 44
  • Giese, Klaus: Eduard J. Wolfsohn blieb und schuftete als Hafenarbeiter
    In: Nordkurier, Strelitzer Zeitung vom 28. November 1998 (Serie: Strelitz vor dem 650jährigen Jubiläum), Ausgabe 43
  • Poland, Christoph: „Plaudereien über einen Vergessenen“: Der Sprachforscher, Aufklärer, Humanist, Pädagoge und Demokrat Daniel Sanders aus Strelitz
    In: Diekmann, Irene: Wegweiser durch das jüdische Mecklenburg-Vorpommern, Verlag für Berlin-Brandenburg, Potsdam 1998, S. 413-428
  • Popp, Günter: Strelitz-Alt hatte eine eigene jüdische Polizei: Jüdisches Leben in Fürstenberg und im Strelitzer Land
    In: Mecklenburg - Heimatzeitschrift für Landsleute und Freunde Mecklenburgs, Band 47 (2005)
  • Popp, Günter: Jüdisches Leben in Fürstenberg und im Strelitzer Land
    In: Mecklenburg - Heimatzeitschrift für Landsleute und Freunde Mecklenburgs, Band 42 (2000), S. 10, 11
  • Struck, Hanna: Juden in Mecklenburg-Vorpommern: Geschichte und Gegenwart
    In: Romberg, Otto R. / Urban-Fahr, Susanne (Hrsg.): Juden in Deutschland nach 1945: Bürger oder „Mit“-Bürger?, Tribüne-Verlag, Frankfurt am Main 1999, S. 108-117
  • Voß, Gerhard: Jüdische Friedhöfe in Mecklenburg – eine Bestandsaufnahme
    In: Studienhefte zur Mecklenburgischen Kirchengeschichte, Heft 1 (1993), S. 5-15
  • Witzke, Harald: Die Juden in Mecklenburg-Strelitz
    In: Landkreis Mecklenburg-Strelitz (Hrsg.): Mecklenburg-Strelitz - Beiträge zur Geschichte einer Region, Verlag Steffen, Friedland/Meckl. 2001, S. 485 ff.
  • Witzke, Harald: Die Synagoge zu Strelitz
    In: Mecklenburg-Strelitzer Kalender 1999, S. 36, 37
  • Witzke, Harald: Die Juden in Mecklenburg-Strelitz
    In: Landkreis Mecklenburg-Strelitz (Hrsg.): Mecklenburg-Strelitz - Beiträge zur Geschichte einer Region, Verlag Steffen, Friedland/Meckl. 2001, S. 485 ff.
  • Witzke, Harald: Die ersten jüdischen Familien in Strelitz
    In: Freie Erde, Ausgabe vom Juli 1988
  • Witzke, Harald: Aus der Geschichte der Juden in Mecklenburg–Strelitz
    In: Neustrelitzer Zeitung, Jg. 1988, verteilt über mehrere Ausgaben
  • Witzke, Harald: 1760 leben in Altstrelitz 60 jüdische Familien
    In: Freie Erde, Ausgabe vom Juli 1988
  • Mercantilisches Addreßbuch der Großherzogthümer Meckl.-Schwerin u. -Strelitz, worin: die Addressen der Magistratspersonen der Städte, der weltlich obrigkeitlichen Beamten der Flecken, der Accise- und Postbeamten, fremden Consuls, Advocaten, Apotheker, Kaufleute, Fabrikanten, Manufacteurs, Buchhändler, Gasthofinhaber und anderer dazu qualificirende Handels- oder industrielle Geschäfte treibende Leute in den Großherzopthümern, wie auch: bei jedem entsprechenden Orte Angabe seiner Wolkszahl, Meilenzeiger, Notizen über Schiffs-, Fuhrgelegenheiten etc.
  • Adreßbücher über und für den Gewerbe- und Handelsstand der Großherzogthümer Mecklenburg-Schwerin und Strelitz
  • Arlt, Klaus / Beyer, Constantin / Ehlers, Ingrid / Etzold, Alfred / Fahning, Kerstin Antje: Zeugnisse jüdischer Kultur. Erinnerungsstätten in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Berlin, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen
  • Borchert, Jürgen / Klose, Detlef: Was blieb... Jüdische Spuren in Mecklenburg
  • Buddrus, Michael / Fritzlar, Sigrid: Die Städte Mecklenburgs im Dritten Reich: ein Handbuch zur Stadtentwicklung im Nationalsozialismus, ergänzt durch ein biographisches Lexikon der Bürgermeister, Stadträte und Ratsherren
  • Diekmann, Irene: Wegweiser durch das jüdische Mecklenburg-Vorpommern
  • Hofmann, Peter: Jüdisches Leben in Mecklenburg-Strelitz
  • Kasten, Bernd: Verfolgung und Deportation der Juden in Mecklenburg 1938-1945
  • Schmidt, Monika: Schändungen jüdischer Friedhöfe in der DDR: Eine Dokumentation, Reihe Positionen, Perspektiven, Diagnosen, Band 1
  • unbekannt („von einem Mitbürger dieses Staats“): Ueber die Aufnahme und Concessionierung der fremden und einheimischen Juden, in rechtlicher und staatswirthschaftlicher Hinsicht, mit besonderer Beziehung auf Mecklenburg-Strelitz
  • Mertens, Elke / Köhncke, Andreas / Nicke, David: Forschungsprojekt Jüdische Friedhöfe in Mecklenburg Vorpommern, März 2002 - Februar 2003, Bericht inklusive Anhang

Links/Online-Ressourcen